Reisebericht 2009 – im Gespräch mit Ruth Ben David – ehemals Haigerloch

Am Dienstag, 14. April 2009, bsuchte Ruth mit mir das Begegnungshaus mit reichhaltiger Bibliothek img_5377bucher und dem neu eingerichteten Raum zum Gedenken aller verstorbenen Kibbuz-Mitglieder seit 1937. Hier eine Aufnahme – Ruths Mann, Benno, in der untersten Reihe der Dritte von rechts:img_5381ruth

Am frühen Abend dieses Tages entzündete Ruth die Schabbatkerzenimg_5674ruths-shabbatleuchter zum Eingang in den letzten Tag des Pessachfestes am Mittwoch, 15.04.

Ich begann zu fragen und Ruth erzählte die Geschichte dieser Leuchter und der anderen silbernen Geräte aus dem Haigerlocher Familienbesitz, die gerettet werden konnten

Beginnen möchte ich mit der Geschichte zu dieser silbernen Dosefehlender-fus1. Am 09. November 1938 sollte auch das jüdische Leben in Haigerloch vom  hasserfüllten Überfall der Nazis nicht verschont bleiben. Mit einem Bus vom nahegelegenen Sulz kommend, entlud sich der Hass der Gruppe junger Nazi-Anhänger in das jüdischen Viertel „Haag“, in dessen Mitte, nicht an Häuser grenzend, die Synagoge stand. Dem Nazi-Pöbel gelang es zwar, die Synagogen-Einrichtung vollkommen zu zerstören, die Synagoge konnten sie jedoch nicht in Brand setzen – das konnten die aufmerksamen  nichtjüdischen Haigerlocher Bürger verhindern. Auch stellten sie zur Nacht eine Bürgerwehr als Wache um die Synagoge – ein wahrlich mutiger Einsatz und Beweis für das gute Miteinander der jüdischen und nichtjüdischen Einwohner Haigerlochs.

Ruths Eltern, der Vater war der Rabbinatsverweser und Lehrer der jüdischen Gemeinde vor Ort, wohnten in einem Haus, das gleichzeitig jüdische Schule und auch Versammlungsort war. Dort drang der Pöbel ein und wollte die silbernen Geräte der Familie rauben. Auch dort schritten nichtjüdische Haigerlocher ein und konnten es verhindern Aus Wut warf ein junger Nazi die Dose gegen die Wand – der Deckel erhielt ein Beule und ein Füßchen brach ab – auf dem Foto oben deutlich zu erkennen.

Als Ruths Vater entschied, dass Ruth mit einer geschlossenen Gruppe am 01.April 1939 nach England gegen sollte (kein „Kindertransport“) mußte eine Liste eingereicht werden mit allem was Ruth mitnehmen wollte (nur Kleidung usw.) Nach dieser Liste wurde in Anwesenheit von „vereidigten Packern“ die Kiste gepackt und dann verplombt. Welch eine weiteres Wunder: diese „Vereidigten“ waren Haigerlocher und sie ermunterten Ruth und die Familie, die silberen Geräte in die Kleidung einzuwickeln – auf diese Weise konnte es gelingen, dass Ruth heute diese Erinnerungsstücke in ihrem Haus in Tirat Zwi hatimg_5693gerettetes-silber.

Ruths Eltern und ihr jüngerer Bruder wurden nach Riga deportiert – es gab keine Chance für die zu überleben!

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