Reisebericht 2009: Wenn die Augen zu Tränenquellen werden – Jom HaShoa in Ariel

Die Gedenkstunde in Ariel zum „Jom HaShoa“ – heute, am 20.April 2009, war für mich eine Stunde, die so schnell nicht wieder „loswerden“ werde. Zwischen etwa 800 – 1000 Einwohnern Ariels , unzählbar die jungen Leute, trafen in der riesigen Turnhalle zusammen und absolut pünktlich begannen die Feierlichkeiten zum Gedenken an 6 Millionen ermordeter jüdischer Menschen durch das mörderische, Menschen verachtende Nazi-Regime.

img_6031totaleAn gegenüberliegen Seiten der Halle wurden Bilder projeziert – und mit Beginn des Sprechers und den ersten Berichten durch junge Ari’eler bahnte sich eine nicht zu bremsende Tränenflut ihren Weg aus meinen Augen in die Hände. Ich kann es wahrhaftig nicht beschreiben, was da in mit losbrach – ich war mit Sicherheit die einzige deutsche Person in diesem riesigen Raum und hatte plötzlich das Gefühl einer unendlichen schweren Last, die auf mir lag – völlig irreal und dennoch kaum ertragbar. Während ich versuchte, die Tränen mit einem Tuch zu beseitigen, legte sich eine Hand auf meine rechte Schulter, glitt an meinem Arm runter und nahm meine rechte Hand – und eine zweite Hand kam dazu – es waren die Hände zweier junger Mädchen!

„Tzricha esrah“? – brauchst Du Hilfe? kam die Frage. Beide sprachen nicht Englisch und so tat es gut, ihnen in Iwrit sagen zu können, dass ich Deutsche bin und  in diesem Moment so betroffen wäre, über das, was vor Jahrzehnten in Deutschland geschehen wäre – daraufhin wurde meine Hand in beide Hände genommen, immer weider gedrückt – und der Tränenfluss begann von Neuem für eine kleine Weile.

Was war das für ein Erlebnis – langsam kam ich zur inneren Ruhe – die Hände dieser jungen Menschen schienen und scheinen mir jetzt im nachhinein als ein Zeichen der Vergebung durch die vierte Generation nach der Shoa.

Die Gestaltung des Gedenkens war von großer Sensibilität durchdrungen – die jungen Leute trugen derartig professionell und im Tonfall variierend die Texte, sodass auch ohne die Sprache verstehen zu können, die emotionelle Situation dessen der den Brief geschrieben hatte den Inhalt verständlich machte. Ich saß sehr weit vom Geschehen weg – daher können die folgenden Bilder nur einen kleinen Eindruck des Abends vermitteln. Mit den jungen Mädchen konnte ich anschließend noch sprechen und mich noch einmal dafür bedanken, dass sie mich so unverhofft und liebevoll „aufgefangen“ haben – mich, eine Deutsche, die ihnen völlig fremd war – der Segen des Ewigen möge auf allen Wegen mit ihnen sein.

img_6021img_6030-2-kerzeimg_6044ima-eifo

img_6055beit-siccaronimg_6071postkarten-uaimg_6061Die „unteren“ drei Bilder sind aus dem Besuch des keinen Holocaust-Museums in Ariel, das noch geöffnet war.

Jetzt da ich alles aufgeschrieben habe, so wie ich es für mich erlebt habe, bin ich ruhiger geworden – es war ein großer Abend – leider konnte Eli nicht dabei sein, da er nach T.A. zur Arbeit mußte und Cherile, sein Frau bei den Kindern war. Morgen, Dienstag, fahre ich auf den Golan zu meiner Freundin Dvora – der nächste Eintrag wird erst zu Wochende erfolgen.

Vielen Dank für’s Reinschauen – leila tow – und Shalom aus Ariel – AhuvaIsrael


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