Äthiopische Juden in Israel

Israel Heute 12.01.2012

Protest der äthiopischen Juden

In Kiriat Malachi demonstrierten am Dienstag etwa 2.500 äthiopische Juden gegen ihre niedrige Stellung in der israelischen Bevölkerung. Sie beschweren sich über Rassismus und insbesondere darüber, dass man ihnen in einem bestimmten Stadtteil in Kiriat Malachi keine Wohnungen vermieten will. Sie setzten sich dort mit Einwohnern der Rabbi-Pinto-Straße auseinander und demonstrierten dann weiter neben dem Stadtratsgebäude mit Plakaten auf denen zu lesen war: „Rassismus ist der Teufel“ und „Unser Blut ist nicht nur gut für den Krieg“. Rachamim Edna, ein Reserveoffizier, wandte sich an Ministerpräsident Netanjahu, Präsident Peres und die Knesset, um die Geringschätzung der äthiopischen Juden ein für alle mal aus der israelischen Bevölkerung auszumerzen. Motti Malka, der Bürgermeister der Stadt meinte, dass er sich freue, dass die äthiopischen Juden sich endlich entschieden haben, für ihre Anerkennung auf die Straße zu gehen. In der Knesset wurde eine Sondersitzung zu diesem Thema durchgeführt. Der äthiopische Abgeordnete, Schlomo Mola, der auch bei der Demonstration dabei war, sagte, dass das Spiel der Geringschätzung dieser Bevölkerungsgruppe vorbei sei. Jedoch dies von den Menschen noch nicht verstanden würde. Die Äthiopier werden solange kämpfen, bis sie gerecht und als gleichwertige Bevölkerungsgruppe behandelt werden, so Mola.

Newsletter der Botschaft des Staates Israel in Berlin am 12.01.2012

Netanyahu zu anti-äthiopischen Vorfällen: Kein Platz für Rassismus

Ministerpräsident Binyamin Netanyahu hat am Mittwoch seinen Berater für die Angelegenheiten äthiopischer Einwanderer Ali Adamsu angewiesen, entschlossen gegen rassistische Anfeindungen gegen äthiopische Einwanderer vorzugehen.

Adamsu hatte sich am Dienstag in Kiryat Malakhi mit den Organisatoren eines antirassistischen Protests getroffen. Bei dem Treffen mit Netanyahu berichtete er ihm von der Umsetzung des fünf-Jahres-Plans für die Integration von Einwanderern, den das Kabinett 2010 verabschiedet hatte.

Ministerpräsident Netanyahu sagte, dass Israel die äthiopischen Einwanderer bewundere und besser einbinden wolle.

“Trotz zahlreicher Hindernisse und Schwierigkeiten kamen sie zu uns und versuchen sich nun, in die israelische Gesellschaft zu integrieren, was wir mit allen Mitteln unterstützen. Rassistische Anfeindungen sind abscheulich, es gibt keinen Platz für sie in der israelischen Gesellschaft. Die Einwanderung von Juden aus Äthiopien und aus aller Welt ist untrennbar mit dem Charakter des Staates Israel verbunden“, sagte Netanyahu.

(Amt des Ministerpräsidenten, 11.01.12)

Bild: Peres und Schüler heute Morgen (Foto: GPO

Auch Präsident Peres nahm heute bei einem Besuch in einer Schule, an der viele äthiopisch-stämmige Schüler lernen, Stellung zu den Vorfällen.

“Wir alle sollten den äthiopischen Einwanderern dankbar sein, dass sie sich entschieden haben, nach Israel zu kommen”, so der Präsident. “Als wir den Staat gegründet haben, war es unser Traum, dass er Juden aus Äthiopien, Russland, Libyen und dem Rest der Welt anziehen würde. Jeder, der hierher kam, hatte anfangs Integrationsprobleme – leider gibt es Menschen, die einfach nicht wissen, wie man sich Neueinwanderern gegenüber zu benehmen hat.”

Die Schüler fragten ihn, wie es für ihn selbst gewesen sei, als Elfjähriger aus Polen ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina einzuwandern. Peres erklärte, sein Hebräisch sei damals längst noch nicht fließend gewesen, und die anderen Kinder in der Klasse hätten sich über ihn lustig gemacht. Auch sei er anders gekleidet gewesen als die anderen Kinder, und auch dafür sei er gehänselt worden.

“Es dauerte eine Weile, bis ich mich akklimatisiert hatte, doch dann war ich wie jeder andere Israeli. Heute kann ich euch ehrlich sagen, dass, wenn ihr fleißig lernt, ihr alles werden könnt – sogar Staatspräsident.”

(Jerusalem Post, 21.01.11)

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