Du sollst nicht „morden!“ – zur Wochenlesung „Jitro“ – 2. Mose 18,1 – 20.,23

Zur Wochenlesung „Jitro“ am vergangenen Wochenende sollen hier einer von mehreren interessanten Aspekten angesprochen werden. Es geht um das 6. Gebot„du sollst nicht morden“, das in den meisten deutschen Übersetzungen mit: „du sollst nicht töten“ ( Elberfelder / Luther u.a.m.) übersetzt ist. In englischen Übersetzungen lesen wir meistens „you shall not murder“, was dem Wort „morden“ entspricht. Warum ist es nun eigentlich notwendig sich über das 6. Gebot „töten“ oder „morden“ Gedanken zu machen? meines Erachtens ist das durchaus notwendig – denn bis auf den heutigen Tag wird in der Rechtsprechung zwischen beiden Begriffen ein gewaltiger Unterschied bezüglich der Urteilsverkündung gemacht – und es ist sehr wohl davon auszugehen, dass der Ewige sich ebenfalls durchaus etwas dabei gedacht hat.

Im Jahr 2002 habe ich über dieses Thema an die Genfer Bibelgesellschaft geschrieben – es ging damals um die „Version 2000“. In der „alten“ Schlachter-Übersetzung hieß es „morden“ – in „Die Bibel -Version 2000“ wurde daraus „töten“ obwohl dort zu lesen ist: Übersetzt von Franz Eugen Schlachter nach dem hebräischen und griechischen Grundtext.“

Mein damaliger Brief kann hier nachgelesen werden (anklicken): das-sechste-gebot-brief-an-die-genfer-bibelgesellschaft – Mit viel Aufwand habe ich damals die hebräischen Wurzelstämme für „morden“ und „töten“ aufgeführt und klar gestellt. warum es einzig und allein „du sollst nicht morden“ heißen muß! Es hat lange gedauert bis ich eine Antwort erhielt aus der hervorgoing -„sie hätten doch eine gute neue Übersetzung gemacht aber sei würden meinen Brief noch an experten weitergeben2! Ich habe nie wieder etwas von diesen Herren und Damen gehört!!!

Die 10 Gebote - AhuvaIsrael
Die „Dekalog-Tafel habe ich in 2007 angefertigt, um meinen Glaubensgeschwistern die 10 Gebote wie im hebräischen Urtext aufgeschrieben weitergeben konnte. Wieder einmal hat sich die Christenheit auch hierin – hervorgerufen durch Dr. Martin Luther – eine eigene Gebots-Tafel erstellt!

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6 Kommentare zu “Du sollst nicht „morden!“ – zur Wochenlesung „Jitro“ – 2. Mose 18,1 – 20.,23

  1. Vielen herzlichen Dank für die Zustimmung – das hat mich wirklich sehr gefreut, denn gerade diese Thema ist mir sehr wichtig – wie auch das Thema: „Zahn um Zahn“- völlig falsch – richtig „Zahn für Zahn“ . was eine völlig andere Bedeutung hat das christliche „Zahn um Zahn“!
    Danke auch für den Zuspruch – das ist ein überraschendes reiches Geschenk.
    Die Segenswünsche gebe ich herzliche gerne zurück – AhuvaIsrael

  2. Ich habe gelesen, dass im Buch der Makkabäer auch das Wort aus dem 6. Gebot verwendet wurde. Aber in einem eindeutig nichtmordenen Sinne.

  3. Der Antrieb zu lutherischem Ungemach kam aus seiner impulsiven, grobgeschnitzten Art, aber der eigentliche Verursacher war wohl Phillipp Melanchton. Seine humanistische, astrologische Rosenkreuzer-Ideologie hatte mit der Bibel gar nichts zu tun (1.-3. Gebot!), die hatte er lediglich benutzt.

    Und die aufgewiegelt worden sind mit dem Schwert anzugreifen, sind vom Schwert auch umgekommen. So steht es auch geschrieben. Das wird auch heute noch anderen Religiösen zum Verhängnis.

    Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen! Matt 26,52

  4. Herzlichen Dank für Ihre Informationen.
    In der katholischen Einheitsübersetzung zu Exodus 20 wird, wie von Ihnen begründet, übersetzt: Du sollst nicht morden!. Auch im Katechismus der Katholischen Kirche wird diese Übersetzung gewählt.
    Hinsichtlich des Trennens des Begehrensverbotes habe ich den Eindruck, vielleicht liege ich da falsch, dass man das Begehren der Ehefrau eines andern und das Begehren des Besitzes eines andern trennen wollte, damit die Ehefrau nicht einfach als Besitz des Ehemannes erscheint. Mir erscheint diese Trennung auch dem heutigen Empfinden eher zu entsprechen, auch wenn zur Zeit der Abfassung der Texte wohl noch anders gesehen wurde. Nach der Einheitsübersetzung scheint in der Fassung des Dekalogs von Deuteronomium 5,21 ebenfalls eine Aufteilung des Begehrensverbotes vorzuliegen – ob das dem hebräischen Text der Bibelstelle entspricht, weiß ich allerdings nicht.
    Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich Gottes Segen!
    Karl-Heinz Does

  5. Danke für diesen Post, den ich natürlich nicht unerwidert lassen kann. Seit Jahren beschäftige ich mich mit dieser Thematik und nicht zuletzt auch mit dem zweifelhaften Anspruch christlicher Institutionen, die sich die Deutungshohheit über die Bibel unter den Nagel gerissen haben, aber geflissentlich ausblenden, was das Volk des Buches im Verlaufe der letzten 2000 Jahre Grosses an Auslegungen erschaffen hat. Viele Übersetzungen aus christlicher Feder trotzen denn auch von Fehlern, nicht zuletzt infolge des Umstands, dass deren Übersetzungen, die ja letztendlich immer Interpretationen sind, im Hinblick auf eine wie auch immer geartete »Vollendung« im Neuen Testament erfolgten. Dass das leidige Wort »töten« immer noch zuhauf vorkommt, stört mich auch. Leider findet sich auch in vielen englischen Übersetzungen aus jüdischer Feder das »kill«. Zunz, zwar etwas altertümlich, aber dem tieferen Sinn sehr nahe, übersetzt zu Recht »nicht morden sollst du«. Benno Jacob (»Exodus« Stuttgart 1997, ein grossartiges Werk, das er in seinem Exil vollendet hat) übersetzt »Nicht sollst du – morden!« und führt dann aus: »Das Gebot: Du sollst nicht morden! Ist das Korrelat des Selbsterhaltungstriebs. (…) Man darf nicht vergessen, dass fünf Gebote religiöser Natur vorangegangen sind. Dieser Gesichtspunkt beherrscht auch die sozialen Normen. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. Ihn und nur ihn hat Gott in seinem Ebenbild erschaffen, der Mensch ist ein Heiligtum, Mord – auch Selbstmord – ein Sakrileg. Der Mord, den der Anspruch verbietet, ist die feindselige, unrechtmässige, gewalttätige Beraubung des Lebens. Es gibt auch eine rechtmässige Tötung: aus höherem Recht ohne persönliche Feindschaft und Böswilligkeit – in Notwehr und die Hinrichtung aufgrund richterlicher Entscheidung (…).« Es gäbe hierzu noch vieles zu sagen, doch das würde wohl den Platz sprengen.

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