17. Mai 2011 – Besuch bei Shalom / Abschied von Israel

Shalom und Selda/Haifa 17. Mai 2011

Der Besuch bei Shalom und  musste zweimal verschoben werden, doch zwei Tage vor meinem Rückflug nach D, gab es dann doch noch ein freudiges Wiedersehen in Haifa.

Shalom hatte eine schwere Zeit hinter sich – unmittelbar hintereinander in den ersten Monaten dieses Jahres zwei Kopfoperationen, von denen er sich nun langsam wieder erholt. Dass er jedoch noch nicht ganz wieder „der Alte“ war, war unübersehbar. Was war geschehen?

Bereits seit langen Jahren hatte er immer wieder zunächst nur leicht – dann jedoch zunehmende Schmerzen unter der Schädeldecke, die er als ein Brennen wahrnahm. In den letzten Monaten 2010 nahmen sie so stark zu, sodass er sich zum Arzt begab. Es wurde zunächst allerdings keine behandlungsrelevante Diagnose gestellt. Anfang 2011 besuchte er einen zweiten Arzt, der ihn ins Krankenhaus „Bnei Zion“ – sozusagen vor Shaloms Haustür gelegen – zum CT überwies. Das Resultat war überraschend und schwerwiegend zu gleich: es wurden Blutgerinnsel unter der Schädeldecke diagnostiziert, die sofort entfernt werden mußten. Es erfolgte eine unverzügliche Verlegung und erste Operation im berühmten „Rambam“-Krankenhaus in Haifa.

Nach dem ersten positiv verlaufenen Eingriff wurde Shalom von seinem behandelnden Arzt gefragt, ob er sich an einen Unfall mit „Kopfbeteilung“ erinnern könnte – Shalom verneinte zunächst. DA in der ersten OP nicht alles entfernt werden konnte, mußte er sich einem zweiten Eingriff unterziehen – und dann kam plötzlich die Erinnerung an einen Unfall, den er 1943 bei seiner Zwangsarbeit in der Kohlengrube von Breszcze-Jawiszowice, Das Konzentrationslager Jawiszowice war ein Außenlager des KZ Auschwitz, etwa 7 km südöstlich von Auschwitz gelegen. Häftlinge des KZ Auschwitz, so auch Shalom, wurden nach Jawiszowice transportiert um dort in den Kohlegruben „zu arbeiten“. Das Bergwerk bestand von 1942 – 1945 und war ein Teilbereich der „Reichswerke Hermann Göring“.

Shalom nach der Befreiung 1945 - 2. von re

Shalom, zu der Zeit 16 Jahre alt, sein reales Geburtsjahr war ja 1927, hatte unter anderem die Aufgabe, die Anlieferung von Eisenbahnschienen entgegen zu nehmen – der Fahrbereich im Bergwerk sollte erweitert werden. Eines Tages war es wieder so weit – die Schienen wurden über eine Seilwinde vom Wagon heruntergeladen – als Shalom sah, dass plötzlich die Seilwinde riss und die Schienen auf ihn zu kamen. Er erzählte mir: „in meinem Kopf kreiste alles – bliebe ich stehen – käme ich zu Tode – ich muss rennen, rennen, rennen und ich konnte nur nach rückwärts rennen um mich zu retten……und da tat er auch – stolperte und fiel rücklings mit dem Kopf gegen einen Betonpfeiler! Shalom verlor nicht das Bewusstein – die Wunde blutete – er ließ sich wohlweislich (16jährig!) nicht arbeitsunfähig schreiben – sein Gedanke war ganz einfach der des Überlebenwollens.

Was letztendlich unter der Schädeldecke geschah – es bildeten sich Blutergüsse – die sich verhärteten und sich im Laufe der kommenden Jahre im geschilderten Sinne mehr und mehr bemerkbar machten und am Ende zu einer lebensbedrohlichen Situation führten – 68 Jahre später – nach barbarischer Zwangsarbeit unter dem menschenverachtenden Nazi-Regime!

Was für eine neue Geschichte aus Shaloms Leidensodyssee! Wir hatten an diesem 17. Mai 2011 einige wunderschöne gemeinsame Stunden – wie bin ich doch so froh darüber, dass ich Shalom und Selda noch besuchen konnte kurz vor der Rückreise. Und wie gut war es zu sehen, dass Shalom seinen Humor nicht verloren hat und er bis auf gelegentliche kurze Kreislaufschwäche mit beiden Füßen schon wieder fest auf dem Boden steht.

←Hier noch zwei Bilder die seine vielen Auszeichnungen zeigen und ein letzte Bild für diese Jahr aus dem Fenster von Shalom und Selda über die abendliche Bucht von Haifa.

Schalom ihr beiden Lieben und lehitraot be shana haba’a be esrat HaShem (und Aufwiedersehen im nächsten Jahr mit GOTTES Hilfe)!

Und zum Abschluß: es waren wunderbare geschenkte und reich gesegnete fünf Wochen in Israel. Der absolut große Höhepunkt war und bleibt der 01. / 02. Mai 2011 – die Teilnahme an den Zeremonien zum Jom HaShoa in Yad Vashem. Ale anderen Tage waren viele kleine wunderschöne Höhepunkte und alle Tage gemeinsam werden in wohl behüteter Erinnerung bleiben. Der Rückflug war samt Einchecken problemlos und viel zu schnell kam ich wieder in den deutschen Alltag zurück. Bleibt der Dank Allen., die mich so liebevoll beherbergt haben – bleibt die Freude der Erinnerung und die Freude auf die Aussicht bald wieder im Land meines Herzens Israel und meinen lieben Freunden dort  zu sein – Schalom u’wracha le culam ba Aretz – Frieden und Segen Euch allen in Israel !!!

16. Mai 2011 – Atlit / Carmel-Tunnel

 

Es war ein Vorschlag von Dina, am Montag, 16. Mai, mit dem Bus durch den neuen „Carmel“-Tunnel nach Atlit zu fahren. Sie selbst war noch nie dort –  ich besuchte bereits in 2004 mit Freunden aus Kiriat Motzkin  dieses „Illegale“ Einwanderungs-Camp-Museum. Da es in Israel jedoch nichts gibt, was es nicht gibt, meistens schon ein Jahr später erfahren Ausstellungen und Gedenkorte kleine und große Ergänzungen/Veränderungen, fand ich den Vorschlag von Dina eine sehr gute Idee – zumal es ja auch sicher sehr reizvoll war den „Carmel-Tunnel kennen zu lernen – in dessen Mitte es eine „Außen“-Station gibt, an der  u. a. auch der größte Kenion (Einkaufszentrum) Haifas liegt. Dina meinte, dass sie künftig nicht mehr mit dem Auto dort hinfahren wird sondern nur noch mit Bus! Es geht schnell und ist kostengünstig. Mit dem Auto braucht es ewig lang!

←Die Einfahrt in den Tunnel von Haifa-Nord her – im Tunnel selbst hatte ich keine gute Position um ohne Blitz Bilder zu machen!

← Der Flyer von Atlit – die Rückseite habe ich (platzsparend als jpg) ins Deutsche übersetzt. Ja, und dann waren wir auch sehr schnell in Atlit – und in der Tat gab es hier für mich etwas Neues – nämlich das Schiff „Galina“ – wie im Bild zu sehen ist. Auf dem Schiff gibt es per Anmeldung einen  Film über die Geschichte der „Illegal“ Immigrants – das Schiff selbst ist auf einzigartige Weise den damaligen Verhältnissen entsprechend „eingerichtet“. Ein besonderes Erlebnis für mich: das Schiff ist schwankt wie bei einem leichten Seegang – sehr „diskret“ jedoch durchaus wahrnehmbar – Dina war erstaunt als ich es ihr erzählte, sie hat’s nicht wahrgenommen.

Hier eine Textpassage in deutscher Übersetzung aus Atlit – das \“Illegal Immigrants Camp : Im Dezember 2003 begann eine kleine Gruppe von Aktivisten der Suche nach einem Schiff ähnelt der Art der Schiffe, die britische Blockade als ein Museum und Gedenkstätte für die illegale Einwanderung dienen lief. Die Galina, das Boot, dass das neue Museum beherbergt, wurde im Hafen von Riga, Lettland gefunden, und wurde schließlich nach Atlit gebracht.

Und zur gleichen Webseite gehört dieser Link: Atlit. mit einer Bilderserie über die „Galina“.

Modell des Lagers

Die Desinfektionsbaracke

Duschen zur Desinfektion / Heizkessel für warmes Wasser / Waschmaschine für Kleidung

Mein Tip für die Leser dieses Berichtes: beim nächsten Israel-Reise einen Besuch des „Illegal“ Immigrant Detention Camp in Atlit nicht auslassen!

Text zur Desinfektionbaracke

„Diese Baracke war eine Reinigungs- Anlage für die „illegalen“ Einwanderer die ins Lager gebracht und in Haft gehalten wurden.

Der „Aufnahme“ Ablauf der Häftlinge begann mit der Trennung der Frauen von den Männern; sie wurden mit DDT desinfiziert- sie duschten und die Kleider wurden gereinigt. Wenn das beendet war wurden die Häftlinge zu den Wohnbaracken geführt und hinter Stacheldraht und elektrischen Zäunen gefangen gehalten. Für die Überlebenden des Holocaust war dieser „Empfang“ Auffrischung über den Horror in den deutschen Konzentrationslager

Eines der typischen ehemaligen „Einwanderer“-Schiffe

Nachempfundene Baracken-Einrichting

„Illegal“ Einwanderungs „Unterkunft“ – nachgestellt

Weiter Bilder von der Ausstellung in Atlit

Häftlinge rizten Botschaften in Holzbretter

Botschaft eines „illegal“ immigrants

Die hier eingerizten Botschaften von „illegalen“ Einwanderern wurden von  Volontären in Abfallhaufen gefunden. Die Holzlatten wurden gereinigt und sind einzige „originale“ Zeugen des Internierungslagers AtlitY!

Informations-Tafel

←Auf dieser Informationstafel lesen wir „Jona 1,11“ – „Da sprachen sie zu ihm (zu Jona): Was sollen wir denn mit dir tun, dass das Meer stille werde und von uns ablasse? Denn das Meer ging sehr immer ungestümer.“

Dort lesen wir auch das Wort „Patria“ – sie wurde 1940 auf fatale Weise gesprengt (nicht absichtlich).


aus Der Untergang der Patria : „Um die Verschleppung ihrer Kameraden zu verhindern, schmuggelte die jüdische Widerstands-gruppe Haganah Sprengstoff an Bord der „Patria“. Das Schiff sollte seeuntüchtig gemacht werden. Am 25. November 1940 morgens gegen neun Uhr erschütterte eine gewaltige Explosion den Hafen von Haifa. Die Haganah hatte die Menge des Sprengstoffs falsch berechnet. Bei der Explosion, die die „Patria“ in die Luft jagte, und dem anschließenden Schiffbruch verloren rund 270 Menschen ihr Leben.

Die Geretteten wurden im Lager Atlit in der Nähe von Haifa interniert. Den Schiffbrüchigen wurde nunmehr von den Briten gestattet, in Palästina zu bleiben. Die Passagiere der „Atlantik“ hingegen, die keinen Schiffbruch erlitten hatten, wurden nach Mauritius gebracht, wo sie bis zum Ende des Krieges ausharren mussten.“ Zum nachlesen des ganzen Artikel – siehe LINK oben

In Kiriat Motzkin habe ich eine befreundete Familie – der Hausherr war auf der Patria und war wie er sagt „glücklicher Weise “ auf Deck, als das Shiff explodierte. Er fiel auf den Buach, rutschte über das Deck in die See und konnte sich an Land retten. Auch er kam ins „illegal“ immigrants -Lager Atlit. Mit ihm und seiner Frau besuchte ich Atlit in 2004 zum ersten Mal!

Bus Modell aus „Atlit“-Zeit

Stacheldraht und Turm

Ja und zum Abschluss diese hochinteressanten Ausflugtages ging es zurück durch den „Carmel“-Tunnel zum GRand Kenion, dem großen Einkaufszentrum Haifa’s – Dina und ich wollten es nicht versäumen das Straßengewirrs, das auf der Hälfte des „Carmel“-Tunnels aus diesem Kenion heraus übersichtlich wird

Einfahrt in den „Carmel“-Tunnel vom Süden her

anzuschauen – und das ist allemal ein paar Bilder wert. Bereit vor beinahe genau einem Jahr hat uns das schon fasziniert als die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen waren.

Die Bauzeit betrug nur sensationelle drei Jahre – ein kleiner Bericht darüber kann hier nachgelesen werden:Über den \“Carmel\“-Tunnel

„Carmel“-Tunnel 04/2010

Ein Fußgängerweg Bildmitte von re nach li/Gartenanlagen